Interview: Constanze Geyer von dreisechzig – „Zeitlose Bekleidung mit langlebigem Design“

Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der nicht nur im alltäglichen Leben, sondern auch in der Startup-Szene allgegenwärtig ist. Hier auf dem Blog von getLaunched haben wir Ihnen schon mehrere sogenannte Green Startups vorgestellt und gezeigt, dass Entrepreneurship durchaus auch nachhaltig und ökologisch unbedenklich sein kann. Heute soll ein weiteres Unternehmen folgen und sich in die Riege der grünen Startups einreihen. Es geht um dreisechzig, ein nachhaltiges Modelabel aus dem grünen Herzen Deutschlands. Was das Label von der Konkurrenz unterscheidet, hat uns Gründerin Constanze Geyer im Interview verraten.


Frau Geyer, was steckt hinter dreisechzig?

dreisechzig ist ein kleines Bekleidungslabel aus Thüringen, das ich zusammen mit meinen Kollegen Sebastian Koch im Jahr 2015 gegründet habe. Wir entwickeln zeitlose Bekleidung mit langlebigem Design. Dabei achten wir auf die Verwendung nachhaltiger Materialien und lassen unsere neuen Produkte in Mitteldeutschland herstellen.

 

Wer ist die Zielgruppe von diesem Startup?

Kunden, die sich für einen nachhaltigen Lebensstil interessieren und Wert auf ökologisch unbedenkliche Produkte legen, zählen zu unserem Kerngeschäft. Dies ist ein Marktzweig, der sich in den letzten Jahren rasant entwickelt hat. Nach unseren Einschätzungen wird er auch in den kommenden Jahren stetig wachsen. Wir versuchen auch einen Teil dazu beizutragen, denn Aufklärungsarbeit darüber, was Nachhaltigkeit überhaupt bedeutet, leisten auch wir täglich um neuen Interessenten die Vorteile aufzuzeigen.

 

Wer sind die Gründer und welchen beruflichen Background haben sie?

Nach meinem Industriedesign Studium sammelte ich mehrjährige Erfahrung im Textilgewerbe, unter anderem bei Jack Wolfskin und Platzangst Progressive Freeride, und war dementsprechend auch oft im Ausland unterwegs… Jetzt studiere ich nachhaltige Produktkulturen an der Bauhaus-Uni Weimar und setzte mein Wissen bei dreisechzig in die Praxis um. Hier bin ich für Design und Development zuständig.

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Sebastian bringt als Entwickler bei Vodafone einige Erfahrungen im Bereich Social Media, Marketing und vor allem Webentwicklung mit. Zuvor konnte er auch bei einigen Auslandsaufenthalten, unter anderem in Australien, neue Eindrücke und Erfahrungen sammeln. Bei dreisechzig ist er für Webauftritt und E-Commerce zuständig.

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Wie entstand die Geschäftsidee?

Die Idee eines eigenen Modelabels entstand Anfang 2015, als ich entschloss, wieder nach Thüringen zu ziehen. Mein Wissen über die Textilverarbeitung wollte ich aber auch hier weiterhin mit einbringen. Passender Weise kam Sebastian, den ich schon viele Jahre aus dem Freundeskreis kenne, direkt mit dieser Idee auf mich zu. Wir beide entwickelten damals bereits Grafiken und den Webauftritt für ein anderes kleines Label und so fragen wir uns: Warum nicht selber einfach aktiv werden?

Den Gedanken der nachhaltigen Produktentwicklung brachten wir mit ein, da wir beide auf unseren Reisen mit den akuten Umweltproblemen konfrontiert wurden und uns auch privat dafür interessierten. Deshalb lag es nahe, den Einfluss, den man als solches Label haben kann, positiv zu nutzen. Dieser Verantwortung sind wir uns ständig bewusst.

 

Wie kann der Gründungsprozess beschrieben werden? Was waren bisherige Höhen und Tiefen?

So spontan die Gründungsidee auch war, die Vorbereitungszeit zog sich dann doch auf ein halbes Jahr hinaus. Im Oktober 2015 fiel der Startschuss zur Gründung unseres Labels, denn es gab einiges zu tun: Webauftritt gestalten, Logo und CI entwerfen, Produkte entwickeln etc. Mit Begeisterung verfolgten wir unseren Plan und kamen gut voran. Etwas komplizierter gestaltet sich hier in Mitteldeutschland immer noch die Suche nach den entsprechend zertifizieren Materialien, sowie nach einer entsprechenden Produktion – bei beidem sind wir aber mittlerweile fündig geworden.

Aktuell bauen wir unser Marketing Know-How aus und suchen uns dabei auch externe Unterstützung, da wir beide keine Profis in diesem Gebiet sind. Hier gibt es noch einige Hürden zu überwinden, aber es macht immer wieder Spaß, neue Dinge auszuprobieren und dabei hinzu zu lernen.

 

Folgt drei-sechzig einer bestimmten Philosophie?

Unsere Philosophie untergliedert sich in drei Teile. Bei den MATERIALIEN legen wir Wert auf eine nachhaltige und ressourcenschonende Auswahl, die Mensch und Umwelt so wenig wie möglich belastet – also unbedenklich ist. Unsere Materialien sollten zudem kreislauffähig sein, das heißt sie sind auf einfache Weise wieder rückführbar oder bereits aus recycelten Stoffen. Auch bei der Produktion versuchen wir regionale Betriebe auszuwählen, um entsprechen fair produzieren und handeln zu können.

Im DESIGN setzen wir auf Langlebigkeit, man soll unsere Produkte so lang und so oft wie möglich tragen können. Dabei ist natürlich auch eine zeitlose Gestaltung von Nöten. Dadurch entwickeln sich Schnitte, die gut mit anderen Bekleidungsstücken kombiniert werden können und oftmals auch saisonunabhängig sind. Um diese Punkte zu gewährleisten, ist eine hohe Qualität in Material und Produktion unabdinglich. Unser Ziel: Du sollst dich in unseren Produkten pudelwohl fühlen.

Aus diesem Grund legen wir auch Wert auf NATÜRLICHKEIT und AUTHENTIZITÄT. Es geht nicht darum, perfekt, sondern du selbst zu sein. Unser oberstes Ziel ist es, mithilfe unserer Mode zu zeigen, wer du bist und was dich in deiner Natürlichkeit ausmacht. Maskeraden sind out, Charakter ist in. Verstecke dich nicht länger hinter irgendwelchen kurzlebigen Modetrends, sondern zeig, dass du einzigartig bist.

 

Welche Produkte bietet dreisechzig an?

Gestartet sind wir bei dreisechzig mit bedruckten T-Shirts für Mann, Frau und Kind, sowie dazu passenden Accessoires. Ab Herbst 2016 erweitern wir aber unsere Palette stetig. So wird zum Beispiel eine Jogginghose für die Herren oder ein Cardigan für die Damen hinzukommen. Ziel ist es, ein gewisses Spektrum an Produkten in unserem Portfolio zu bieten, das das ganze Jahr über von Kunden abgerufen werden kann.

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Was sind die nächsten Schritte in naher Zukunft?

In Zukunft wollen wir auch mal aus Thüringen raus und unseren Bekanntheitsgrad deutschlandweit erhöhen. Hierzu starten wir gerade ein Projekt mit der Cotta-Schule in Stuttgart, die zusammen mit uns ein Marketingkonzept erstellen wird. Auf die Zusammenarbeit mit spritzigen Ideen freuen wir uns jetzt schon.

 

Wo sieht sich drei-sechzig in fünf Jahren?

Gerne würden wir in fünf Jahren eine bekannte Größe in der Riege der nachhaltig gestalteten Modelabels sein. Der Weg dahin ist noch lang, aber: dass er sich lohnt wird, merken wir jeden Tag an dem wir neue Eindrücke gewinnen und uns interessante Menschen begegnen, die uns auf unseren Weg unterstützen.

 

Welchen Tipp würden Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben?

Einfach MACHEN! Gründe, bestimmte Dinge nicht zu tun, findet man immer schnell – das bremst aus. Gründer haben meines Erachtens den wichtigsten Schritt bereits erkannt: Raus aus dem passiven Verhalten und aktiv werden. Probiert euch aus und macht Fehler, daraus lernt und daran wächst man und das ist es doch, was es spannend macht.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Fotos © Portraits: Christian-Heilwagen-Fotografie | Produkte: Dkar Photography Studio

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